31. August 2026

Familienzeit-Initiative auf der Kippe

Last-Call: Es fehlen noch 5.000–10.000 Unterschriften. Jetzt unterschreiben, sammeln und sofort einsenden! Die Familienzeit-Initiative will für beide Elternteile eine gleich lange Familienzeit von je 18 Wochen einführen. Punkto Familienpolitik hat die Schweiz Nachholbedarf, findet der Politbeobachter.


Last-Call: Es fehlen noch 5.000–10.000 Unterschriften damit es sicher reicht und die Zeit wird knapp. Die Sammelfrist läuft bald ab und alle Unterschriften sollten bis Montag, 7. September per A-Post ans Komitee gesendet werden. Die Familienzeit-Initiative will für beide Elternteile eine gleich lange Familienzeit von je 18 Wochen einführen. Punkto Familienpolitik hat die Schweiz Nachholbedarf, findet der Politbeobachter. Hier geht’s zum Unterschriftenbogenfür die Familienzeit-Initiative. 


Was will die Initiative erreichen? Die Familienzeit-Initiative will für beide Elternteile eine gleich lange Familienzeit von je 18 Wochen einführen. Nur ein Viertel der 18 Wochen Vaterschaftsurlaub soll gemeinsam mit der Mutter bezogen werden dürfen. Primär soll damit für Frauen der Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert werden. Zudem erhoffen sich die Initianten, dass bei Annahme der Initiative der zweite Elternteil stärker bei der Betreuung der Kinder eingebunden ist, das geschlechterspezifische Lohngefälle sinkt und der Mann systembedingt weniger in die Rolle des Hauptverdieners gedrängt wird. Die zusätzlich entstehenden Kosten sollen über eine Erhöhung der Lohnabgaben der Erwerbsausfallversicherung (EO) gedeckt werden.


Der Kommentar des Politbeobachters: Im Vergleich zu den Nachbarländern Österreich und Deutschland sind die Schweizer Gesetze bei Mutter- und Vaterschaft nicht besonders familienfreundlich ausgestaltet. Unser nördlicher Nachbar zahlt 14 Monate Elterngeld (65 % des bisherigen Einkommens), das zwischen den Elternteilen aufgeteilt werden kann. Dazu kommt die Möglichkeit, bis zu 3 Jahre unbezahlte Elternzeit zu beziehen und danach wieder in der gleichen Position weiterzuarbeiten. In der Schweiz gibt es lediglich 14 Wochen Mutterschafts- und zwei Wochen Vaterschaftsurlaub (Entschädigung je 80 % des bisherigen Lohns). Punkto Familienpolitik besteht in der Schweiz wohl Aufholbedarf.

Mehr entschädigte Elternzeit wäre sicherlich nicht übertrieben, sollte aber keine falschen Erwartungen wecken, dass sich damit demografische Probleme entschärfen. Die Fertilitätskurve von Deutschland läuft nahezu parallel zu jener der Schweiz, obwohl die Entschädigungsregeln für Eltern sehr unterschiedlich sind. Die zusätzlichen Kosten von rund einer Milliarde pro Jahr sind ein eher schlechtes Argument gegen eine längere Elternzeit. Studien belegen, dass die Erwerbsquote und das Erwerbspensum der Frauen steigt, wenn sich die Elternzeit erhöht. In der Folge steigen die Steuereinnahmen und die Einnahmen von AHV/IV/EO. Es gibt daher guten Grund zur Annahme, dass nach 20 bis 30 Jahren die zusätzliche Arbeit, welche durch die Frauen geleistet wird, die zusätzlichen Kosten decken. Ab dann gäbe es neben einem positiven gesellschaftlichen auch einen monetären quantifizierbaren Nutzen.

Bei den Männern gibt es wahrscheinlich, im Gegensatz zu den Frauen, kaum einen Effekt auf die Erwerbsquote und das Erwerbspensum bei steigender Elternzeit. Väter reduzieren ihre Arbeitsstunden primär im Zeitraum, in dem Anspruch auf Elternzeitleistungen besteht, und arbeiten danach gleich weiter. Die Argumentation der Initianten, dass die Initiative zur Bekämpfung des Fachkräftemangels beiträgt, erscheint daher korrekt. Es ist aber auch absehbar, dass die Kinder während der zusätzlichen Zeit, in welcher die Frauen «danke» längerer Elternzeit bezahlt arbeiten, oft in Kitas betreut werden. Die Familienzeit-Initiative könnte somit über den ganzen Zeitraum, in welchem die Kinder aufwachsen, nicht zu mehr, sondern zeitlich betrachtet zu weniger «Familienzeit» führen, weil die Fremdbetreuung steigt. Trotzdem dürfen unter dem Strich positive Effekte überwiegen, weil die Qualität der verbrachten Zeit eine andere sein könnte. Studien sprechen dafür, dass sich Väter dank Elternzeit stärker an der Kinderbetreuung und im Haushalt beteiligen. Dies beeinflusst nicht nur die Gleichstellung, sondern hat auch einen positiven Effekt auf die kindliche Entwicklung. Die Elternzeit stärkt die Fähigkeit der Väter, sich um ihre Sprösslinge zu kümmern, gibt ihnen Vertrauen in die eigene Betreuungsarbeit und kann zu einer stärkeren Vater-Kind-Beziehung führen.

Unterzeichnen Sie die Familienzeit-Initiative! Hier geht’s zum Unterschriftenbogen.

 

 

 

Quellen:

https://www.politbeobachter.ch/initiativen/familienzeit-initiative

 

https://www.familien-zeit.ch/app/uploads/2025/03/Unterschriftenliste-Familienzeit-Demovox.pdf

 

https://www.familien-zeit.ch/



Bildquelle: https://www.familien-zeit.ch/