Neutralitätsinitiative

27. September 2026

Um was geht’s?

Die Initiative will die Schweizer Neutralität dauerhaft und ausdrücklich in der Bundesverfassung verankern. Die Schweiz soll demnach immerwährend und bewaffnet neutral bleiben. Sie soll keinem Militär- oder Verteidigungsbündnis beitreten, ausser wenn sie selbst militärisch angegriffen oder unmittelbar bedroht wird. Zudem soll sich die Schweiz nicht an militärischen Konflikten zwischen anderen Staaten beteiligen. Grundsätzlich soll sie auch keine Sanktionen gegen kriegführende Staaten verhängen, wobei Verpflichtungen gegenüber der UNO weiterhin gelten. Gleichzeitig soll die Schweiz ihre Neutralität aktiv nutzen, um Konflikte zu verhindern, zu lösen und als unabhängige Vermittlerin für Konfliktparteien zur Verfügung stehen.

Kommentar des Politbeobachter

Kritiker warnen vor der Neutralitätsinitiative. Eine starre Neutralität sei ein Sicherheitsrisiko und behindere die Kooperation mit der NATO. Wer minimale Geschichtskenntnisse hat, dem ist bekannt, dass die NATO und deren Chefkommandeur – die USA – in den letzten Jahrzehnten in unzählige Kriege verwickelt waren. Auch im Ukraine-Konflikt ist die NATO personell und mit Waffenlieferungen beteiligt. Und nun soll eine engere Anbindung an ein Militärbündnis, welche durch die Initiative erschwert würde, als Argument für mehr Sicherheit dienen? Wer in Konflikten Partei ergreift, durch militärische Kooperationen oder durch die Übernahme von Sanktionen, ist nicht mehr neutral und riskiert, in Kriege verwickelt zu werden.

Aber Sanktionen bauen doch nur ein Druck auf Despoten auf und helfen, sie in die Knie zu zwingen? Mitnichten. Sanktionen treffen oft primär die Zivilbevölkerung, und die Regime, auf welche gezielt wird, brechen dadurch nur in den seltensten Fällen zusammen. Gemäss wissenschaftlichen Untersuchungen verursachen Sanktionen weltweit jährlich etwa 500'000 Tote – weit mehr als Kriege. Ein Beispiel des Wirkungsmechanismus: Wichtige Exporte aus einem Land fallen weg, die Landeswährung verliert an Wert, Medikamente werden unbezahlbar oder fehlen. Wollen wir da mitmachen?

Wichtig ist auch, wie wir von Konfliktparteien wahrgenommen werden und nicht nur, wie neutral sich die Schweiz fühlt. Der russische Aussenminister hat die Schweiz offiziell als «unfreundlichen» bzw. feindlichen Staat bezeichnet, und auch der letzte US-Präsident Biden hat implizit bestätigt, dass er die Schweiz nicht mehr als neutral ansieht. Wir erinnern uns an die teure Alibiveranstaltung auf dem Bürgenstock. Eine Friedenskonferenz mit nur einer Konfliktpartei – das ist das Resultat der «Neutralitätspolitik» der letzten Jahre. Es ist höchste Zeit, genauer zu regeln, was die Schweizer Neutralität bedeutet, und die Initiative stellt eine hervorragende Gelegenheit dazu dar.

Da bleibt noch das Argument der «Geldsack-Neutralität» der Initiativgegner. Den Initianten gehe es nur darum, Geschäfte zu machen – mit allen Nationen –, egal wie autoritär dort die Regierung ist und ob sich ein Land im Krieg befindet. Das Argument impliziert zudem, dass wir als Profiteur von einer regelbasierten internationalen Ordnung bei deren Verteidigung auch Verantwortung übernehmen sollten. Obwohl die sich die Grossmächte nicht um Hinweise auf das Völkerrecht von der Schweiz kümmern, muss man den Initiativgegnern hier einen halben Punkt zusprechen. Die Schweiz könnte sich glaubwürdiger für Konfliktlösungen engagieren, wenn sie keine Waffenexporte tätigen würde. Dass die Schweizer Waffenexporte von den bürgerlichen Kreisen unterstützt werden, welche die Neutralitätsinitiative befürworten, ist ein Widerspruch. Interessant wäre es gewesen, wenn man neben dem Sanktionsverbot auch gleich noch ein Waffenexportverbot in die Neutralitätsinitiative integriert hätte. Denn Waffen exportieren uns sich für Konfliktlösungen engagieren ergibt wenig Sinn. In Summe ist dies ein Schönheitsfehler, aber bei Weitem kein Grund für ein Nein zur Initiative.

Der Erhalt des Friedens ist die absolute Grundlage für alles andere menschliche Leben und Handeln in unserem Land. In den Worten des Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt: «Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts.» Deshalb sollten wir alles Erdenkliche tun, um unser Land aus Konflikten herauszuhalten – den das betrifft uns direkt. Kein Krieg. Erreicht wird das wohl in der Praxis primär durch Abstand von Konfliktparteien gehalten und dadurch, dass man sich nicht für die eine oder andere Seite einspannen lässt und konsequent neutral ist.

Was sind die Hauptargumente der Befürworter?

Komitee Wahrung der Schweizer Neutralität
Neutralität für Frieden

Was sind die Hauptargumente der Gegner?

Nein-Komitee